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Rückblick auf die Zukunft: Die Entstehung des Smart Home

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Für Science-Fiction-Autoren sind Häuser, die ihre Bewohner im Alltag unterstützen, genauso selbstverständlich wie bei Star Trek der Replikator, der in den Tiefen des Alls für Curryhuhn mit Reis und Karotten sorgt. Gerade ein Menschenalter ist es her, dass sich George H. Bucher in einem populärwissenschaftlichen Magazin dem Thema „The Electric Home of the Future“ widmete. Seine Ideen und Konzepte von 1939 haben bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Smart-Home-Technik unserer Zeit: Gäste werden automatisch erkannt und von einer synthetischen Stimme aus der Sprechanlage begrüßt, das Licht eingeschaltet und die Türe geöffnet.

Stromleitungen als Schlüssel

Eine Datenübertragung über das vorhandene Stromnetz gelang innerhalb einer praktisch nutzbaren Anwendung erstmals 1963. Damals wurden Störmeldungen in größeren Gebäuden mittels Elektroinstallation weitergeleitet. Energiedienstleister wie E.ON bewarben die Datenübertragung über das vorhandene Stromnetz später – Anfang der Nullerjahre – sogar im Fernsehen.

Zentrale Leittechnik (ZLT) und Gebäudeleittechnik (GLT) waren die Vorläufer heutiger Gebäudeautomation. Der Begriff Smart House tauchte 1984 in den USA auf. Die American Association of Housebuilders bot unter diesem Schlagwort eine integrierte Steuerung von Licht, Klima- und Sicherheitstechnik an, blieb dabei aber ähnlich erfolglos wie das European Home System (EHS) von 1987, das übrigens bis heute Teil des sogenannten KNX-Standards ist und wie die Leittechnik aus den 1960er-Jahren über Stromleitungen funktionierte.

Das Haus der Gegenwart

In das Blickfeld privater Käufer rückten Smart-Home-Systeme verstärkt erst ab 2005. Auf der Bundesgartenschau in München entstand das „Haus der Gegenwart“ als gemeinnütziges Projekt und Ergebnis eines Architektenwettbewerbs aus dem Jahr 2001. Dies war auch das Jahr, in dem in Duisburg das Fraunhofer-inHaus-Zentrum eröffnete. Das Kunstwort inHaus steht für die Integration der Komponenten verschiedener Hersteller und Anwendungsbereiche in eine gemeinsame Systemlösung für das Wohnumfeld. Die Telekom war zwischen 2005 und 2006 in Berlin mit einem voll vernetzten Musterhaus präsent.

Richtig spannend wurde das Thema für Anbieter und Verbraucher aber erst 2012, als das Bundeswirtschaftsministerium ein Zertifizierungsprogramm für gemeinsame Standards auflegte und Fördergelder vergab. Lampenhersteller, Energieversorger, Netzwerkbetreiber und nicht zuletzt Versicherungskonzerne sorgen seitdem dafür, dass Smart-Home-Konzepte zum selbstverständlichen Bestandteil des Wohnens werden – ein Milliarden-Markt entsteht. Von smarter Heizungssteuerung über multifunktionale Lichtsysteme und ausgeklügelte High-Tech-Alarmanlagen bis hin zu intelligenten Rückstausystemen für Abwasser ist schon jetzt vieles für das smarte Zuhause zu haben und die Zukunft wird noch zahlreiche weitere interessante Produkte bringen.

Bild: Bigstockphoto.com / style-photographs